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Sein wichtigster Kampf

Neuburg (DK) Wenn Atila Dikilitas ein Klassenzimmer an der Neuburger Hauptschule betritt, ist ihm der Respekt seiner Schützlinge sicher. „Da kommt der Boss!“, flüstert ein Siebtklässler seinem Kameraden ins Ohr. Die Schüler wissen genau mit wem sie es hier zu tun haben.

Dikilitas macht seit 26 Jahren Kampfsport, besitzt diverse Schwarze Gürtel in verschiedenen Kampfkünsten und hat zahlreiche Nationale sowie Internationale Titel gewonnen. Lange Zeit hat der 37-jährige Türke auch als Türsteher gearbeitet. Doch nun hat er eine neue Aufgabe: Er bringt Schülern bei, Schlägereien aus dem Weg zu gehen.

„Der beste Kampf ist der, der nicht stattfindet“, sagt Dikilitas. Doch es ist nicht immer leicht das den Kindern zu vermitteln, denn Gründe um zuzuschlagen gäbe es viele. Meist sei es das soziale Umfeld, in dem die Schüler lernten Konflikte nur mit Gewalt zu lösen. Viele könnten auch nicht genug Anerkennung über ihre schulischen Leistungen erreichen, also versuchten sie die Aufmerksamkeit auf einem anderen Weg zu erlangen. Überhaupt sei es eben einfach „cooler“ zuzuschlagen als dem Konflikt durch Weggehen auszuweichen.

Täter wird zum Opfer

Und genau an diesem Punkt setzt der Anti-Gewalt-Trainer an: Er will den Kindern eine andere Perspektive zeigen. Denn nur am Anfang sei der Geschlagene das Opfer, am Ende sei es immer der Schläger selbst. Er versucht seinen Schützlingen die Konsequenzen ihres Handelns aufzuzeigen und liest beispielsweise aus Gerichtsurteilen vor und spielt sogar Verhandlungen mit den Schülern nach. Er erklärt ihnen, dass schon ein kleiner Schubser zu schwerwiegenden Verletzungen führen kann. Und dass eventuell nicht nur das Opfer, sondern auch der Täter mit den Folgen seiner begangenen Tat täglich leben muss.

Generell läßt er seine Schüler in die Zukunft blicken: Als Hausaufgabe muss jeder eine gute Tat vollbringen. Etwa einer alten Dame beim Einsteigen in den Bus helfen. Und seine Schützlinge verstehen die Lektion schnell: auch sie werden beispielsweise durch eine Krankheit oder im Alter einmal Hilfe brauchen.

„Von Fehlern fernhalten“

Dikilitas hat einen guten Draht zu den Jugendlichen. Vor allem auch zu denen mit Migrationshintergrund. Er selbst hat in seiner Jugend viele Konflikte erlebt. „Ich habe selbst Fehler gemacht“, sagt der Anti-Gewalt-Coach. „Mein Ziel ist es, die Kinder von solchen Fehlern fernzuhalten.“

Es geht auch nicht nur ums Prügeln. In seinem Unterricht will Dikilitas einige Dinge richtigstellen: Seine Hausaufgaben nicht zu machen oder in schlampiger Form abzuliefern sei eben nicht „cool“. Alle müssen zu Hause aufschreiben was sie in seiner Doppelstunde gelernt haben. Und zwar in „sauberer Schrift, auf einem sauberen Blatt“. Kraftausdrücke sind bei dem Türken sowieso tabu. „Schlechte Wörter sind Müll“, erklärt er seinen kleinen Zuhörern.

Bei Atila Dikilitas kommt es zwar selten vor, doch wenn ein Schüler einmal Faxen macht und seinen Unterricht stört, dann reicht schon ein strenger Blick, um wieder für Ruhe zu sorgen. Bei ihm geht es nicht nur um Respekt, sondern auch darum, andere Meinungen zu akzeptieren. Er empfiehlt den Eltern der Kinder, genau darauf zu achten, wo sie Kampfsportunterricht nehmen. Wichtig ist, dass dort nicht wild geschlägert wird, sondern auch die Philosophie der Kampfkunst unterrichtet wird.

Auch Dikilitas zeigt seinen Schülern Kampftricks – allerdings handelt es sich hier um effektive Abwehrtechniken, um „rauszukommen“, wie der Trainer es formuliert. Doch am besten sei es Provokationen zu ignorieren und wegzugehen. „Stärke ist auch nachzugeben.“

Von Sebastian Peterhans

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