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Ein Türsteher muss einstecken können

Ingolstadt (DK) Kaum ein Wochenende vergeht ohne Prügeleien. Oft geraten die Schläger in oder vor Lokalen aneinander. Türsteher sollen künftig für Ruhe und Ordnung sorgen. Doch qualifiziertes Personal fehlt. Am Wochenende fand in der Oyakata-Sportakademie ein Kurs statt. Da ging’s richtig zur Sache.

Nachdem es in Ingolstadt fast jedes Wochenende Ärger und Randale gibt, üben die Stadt Ingolstadt und die Polizei verstärkt Druck auf Lokalbetreiber aus und verlangen ausgebildetes Sicherheitspersonal. „Viele Wirte stellen Leute an die Tür, die Null Ahnung haben“, kritisiert Atila Dikilitas. Er organisiert die fünftägige Schulung, die normalerweise nur in München angeboten wird.
Für einen Teil des Unterrichts und die Prüfung ist nämlich die Industrie- und Handelskammer zuständig. IHK-Dozent Florian Pohla erklärt: „Laut Paragraf 34a der Gewerbeordnung sind mindestens 40 Stunden Unterricht nötig, um Leib, Leben und Sachwerte zu schützen.“ Dann erzählt er den Teilnehmern etwas über Sprinkleranlagen. Das ist nicht ganz so spannend wie die praktischen Übungen. Da probt Atila Dikilitas mit den angehenden Sicherheitsleuten typische Szenen aus dem Alltag eines Türstehers. Der Kampfsportler mimt einen betrunkenen Mann, der unbedingt in die Diskothek rein will. Adis und Alwin, beide 21 Jahre alt, sollen zeigen, was sie gelernt haben.

Vor allem geht es um eines: sich auf keinen Fall provozieren lassen. „Verpiss dich, du Mistkerl“, schreit Dikilitas beim realistischen Rollenspiel die Türsteher an und schubst sie. Dann folgt ein Satz, der häufig so kommt: „Schlag mich doch, du Arschloch.“ In dem Moment verlieren unqualifizierte Türsteher erfahrungsgemäß leicht die Nerven, hauen zu und sind am Ende selber dran wegen Körperverletzung. „Ich kenne viele Türsteher, die massenhaft Anzeigen kassiert haben“, sagt Dikilitas.

Die beiden Sicherheitsleute versuchen also, den Randalierer auf Abstand zu halten und zu beruhigen: „Wenn du keine Beschimpfungen einstecken kannst, dann kannst du in dem Bereich nicht arbeiten“, erklärt Dikilitas. „Bleib’ immer höflich und gelassen. Und lass’ niemanden näher an dich ran, denn er kann dir immer einen Kopfstoß geben oder auf die Füße treten.“

Alwin und Adis machen ihren Job ganz gut. Sie wollen künftig City-Streifen in Neuburg laufen.

„Nur noch eine Prüfung, dann können wir durchstarten. Wir sind Ex-Boxer, also gut vorbereitet“, erklärt Alwin, dessen Onkel ebenfalls als Sicherheitsmann arbeitet. „Der ist mein Vorbild.“ Adis, von Beruf Fahrzeuginnenausstatter bei Audi, ergänzt: „Wir wollen für die Sicherheit anderer Menschen arbeiten.“ Es fällt auf, dass viele Teilnehmer einen ganz normalen Beruf ausüben. Die 18-jährige Zeliha zum Beispiel ist medizinische Fachangestellte, will aber nebenher im Sicherheitsdienst arbeiten, um sich Geld für ein Auto zu verdienen. Ihre Freundin Esra, 20 Jahre alt und in der Produktion bei Audi tätig, braucht das Geld für die Meisterschule. Die kostet etwa 4000 Euro. Als Sicherheitskraft verdient man zwischen sieben und acht Euro die Stunde – nicht gerade viel.

Zumal es in dem Job gefährlich werden kann. Polizist Markus, Oyakata-Trainer mit Erfahrung als Türsteher, plaudert aus der Praxis: „Viele Leute sind auf Drogen, fühlen sich unbesiegbar und gehen dementsprechend vor. Deshalb braucht man im Sicherheitsdienst intelligente Leute mit hoher sozialer Kompetenz. Ein sicheres Auftreten und ein korrektes Äußeres sind auch ganz wichtig.“

Wer Türsteher werden will, um andere herumzukommandieren oder Frauen aufzureißen, der ist jedenfalls total fehl am Platze, da sind sich die beiden Experten einig. Immerhin gilt als ziemlich „cool“, an der Tür zu arbeiten, wie einige Teilnehmer hinter vorgehaltener Hand betonen. Dikilitas warnt vor Illusionen, denn er kennt die Wirklichkeit: „Die Leute werden immer aggressiver. Folglich müssen die Türsteher immer besser trainiert werden.“ Dabei kann er helfen.

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